Solaranlage
1. Rechtsgrundlagen
- EEG 2023 — Erneuerbare-Energien-Gesetz: regelt Einspeisevergütung und Förderung
- EnWG-Novelle (Solarspitzengesetz) — in Kraft seit 25.02.2025: regelt Smart-Meter-Pflicht und Netzsteuerung
- GModG (Gebäudemodernisierungsgesetz), § 106 — verabschiedet von Bundestag und Bundesrat 2026: führt erstmals eine bundesweite, gestaffelte Solarpflicht ein (siehe Abschnitt 9)
EMPFOHLENE ANBIETER
2. Behördliche Pflichten (Reihenfolge)
| Schritt | Pflicht | Schwellenwert |
|---|---|---|
| 1 | Netzbetreiber anmelden (Einspeisevertrag) | alle Anlagen |
| 2 | Marktstammdatenregister (MaStR) eintragen | alle Anlagen |
| 3 | Smart Meter installieren | ab 2 kWp (60 %-Regel), seit 25.02.2025 |
| 3a | Steuerbox zusätzlich installieren (Fernsteuerbarkeit) | ab 7 kWp bis 100 kWp, seit 25.02.2025 |
| 4 | Finanzamt — Jahreserklärung | ab >30 kWp |
Baugenehmigung: grundsätzlich nicht erforderlich für Dachanlagen. Ausnahmen: Denkmalschutz, Freilandanlagen (immer genehmigungspflichtig).
Gewerbeanmeldung: für Privatpersonen nicht erforderlich (gilt als private Vermögensanlage).
Versicherung: Erweiterung der Wohngebäudeversicherung erforderlich (~50–150 €/Jahr zusätzlich).
Netzanschluss: Bearbeitungszeit 4–8 Wochen. Ab 30 kWp: Netzverträglichkeitsprüfung.
Smart-Meter- und Steuerbox-Pflicht (Solarspitzengesetz)
Seit 25.02.2025 gilt eine zweistufige Regelung:
- 2 bis unter 7 kWp: Es greift die 60-%-Einspeisebegrenzung. Ein Smart Meter ist vorgesehen, eine Steuerbox (Fernsteuerbarkeit durch den Netzbetreiber) ist nicht zwingend erforderlich.
- 7 bis 100 kWp: Zusätzlich zum Smart Meter ist eine Steuerbox verpflichtend, damit der Netzbetreiber die Anlage bei Bedarf regeln kann.
- Ohne Steuerbox (bei Pflicht ab 7 kWp): Einspeisung wird dauerhaft auf 60 % der Nennleistung gedrosselt → bis zu 30 % Einnahmenverlust.
- Über 100 kWp: unverändert Fernsteuerungspflicht wie bisher, zusätzlich Datenlogger-Pflicht für kontinuierliches Monitoring.
- Bestandsschutz: Anlagen, die vor dem 25.02.2025 in Betrieb genommen wurden, sind zunächst vollständig ausgenommen (keine 60-%-Begrenzung, keine rückwirkenden Pflichten). Bestandsanlagen über 7 kWp müssen aber bis spätestens Ende 2028 nachgerüstet werden.
3. Netzbetreiber
Deutschland hat rund 850 regionale Netzbetreiber — der zuständige Netzbetreiber hängt ausschließlich von der PLZ ab, nicht vom Stromanbieter.
Wichtigste regionale Netzbetreiber
| Netzbetreiber | Hauptregion |
|---|---|
| Bayernwerk | Bayern (außer Städte mit eigenem Stadtwerk) |
| Westnetz | NRW, Rheinland, Teile Westdeutschlands |
| EnBW Netze | Baden-Württemberg |
| Stromnetz Hamburg | Hamburg |
| E.DIS | Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern |
| Mitteldeutsche Netzgesellschaft (MITNETZ) | Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| Stadtwerke (lokal) | Alle größeren Städte (München, Berlin, Frankfurt etc.) |
Eigenen Netzbetreiber finden: PLZ-Suche unter solar.red/netzbetreiber oder direkt beim Installateur fragen — dieser übernimmt die Anmeldung meist mit.
Anmeldeprozess Netzbetreiber
- Antrag einreichen — idealerweise 4–8 Wochen vor geplanter Installation
- Gesetzliche Frist: Netzbetreiber muss bei Anlagen bis 30 kWp innerhalb von 4 Wochen antworten (§ 8 Abs. 5 EEG); bei Anlagen über 30 kWp gelten 8 Wochen
- Automatische Genehmigung: Antwortet der Netzbetreiber nicht innerhalb der Frist (bei Anlagen bis 30 kWp: 1 Monat), gilt die Anlage als genehmigt (Genehmigungsfiktion) — Voraussetzung ist ein vollständiger Antrag
- Seit Januar 2025: Alle Netzbetreiber sind verpflichtet, TAB und Antragsformulare online bereitzustellen
- Ab 30 kWp: Netzverträglichkeitsprüfung erforderlich — bis zu 16 Wochen einplanen
4. Steuern & Mehrwertsteuer
- 0 % MwSt. auf Kauf und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden (seit 01.01.2023) — gilt unverändert auch 2026, gesetzlich unbefristet (§ 12 Abs. 3 UStG)
- Begünstigt sind neben den Modulen auch Wechselrichter, Batteriespeicher sowie Planung, Lieferung und Montage
- Ab >30 kWp: Jahreserklärung beim Finanzamt erforderlich
- Kleinunternehmerregelung: auf Einspeisevergütung anwendbar
5. Kosten
Preis pro kWp (Stand Q2 2026)
| Anlagengröße | Typische Nutzung | Kosten/kWp | Gesamtkosten (ohne Speicher) |
|---|---|---|---|
| 3–5 kWp | Kleine EFH / Wohnung | 1.200–1.600 € | 5.400–8.000 € |
| 5–10 kWp | EFH 100–180 m² | 1.200–1.450 € | 7.500–13.500 € |
| 10–15 kWp | EFH 150–250 m² + Wärmepumpe | 1.200–1.350 € | 13.500–20.000 € |
| 15–20 kWp | Großes EFH / Gewerbe | 1.000–1.350 € | 16.500–27.000 € |
Finanztip-Richtwert: max. 1.600 €/kWp (ohne Speicher) — Anlagen günstiger als 2025 (−4 % im Durchschnitt), Preise steigen aber seit April 2026 wieder leicht
Kostenaufteilung (typisch für 8–12 kWp)
| Komponente | Kosten/kWp | Anteil | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Solarmodule | 187–300 € | 20–25 % | Ab April 2026 +10–15 % teurer (Wegfall chinesischer MwSt.-Exportvergünstigungen zum 1.4.2026 sowie gestiegene Silberpreise) |
| Wechselrichter | 300–500 € | 25–30 % | ~2.850 € für 8 kWp; Hybrid-Modelle teurer |
| Unterkonstruktion + Montage | 350–600 € | 35–40 % | Schiefer/Biberschwanz teurer als Blechdach |
| Installation, Elektro, Planung | 300–500 € | 20–25 % | Inkl. Anmeldung, Gerüst, Inbetriebnahme |
Mit Stromspeicher
| Anlagengröße | Kosten mit Speicher |
|---|---|
| 5 kWp + 10 kWh Speicher | ab 14.000 € |
| 8–10 kWp + 10 kWh Speicher | ab 18.000 € |
| 10–15 kWp + 15 kWh Speicher | ab 25.000 € |
Speicher: 700–900 €/kWh (Marktpreis Q2 2026); Finanztip empfiehlt max. 600 €/kWh als Orientierung
Betriebskosten
- Wartung, Inspektion, Versicherung: 1,5–2 % der Investitionssumme/Jahr (ca. 130–400 €)
- Lebensdauer Module: 25–30 Jahre
- Wechselrichter-Tausch: ca. nach 10–15 Jahren (~1.500–3.000 €)
6. EEG-Einspeisevergütung (Q2 2026)
Gültig: 01.02.2026 – 31.07.2026 — ab 01.08.2026 turnusmäßige Degression um ca. 1 % (halbjährlich nach § 49 EEG 2023; offizielle Bekanntgabe der neuen Sätze durch die Bundesnetzagentur erfolgt jeweils kurz vor dem Stichtag)
| Anlagengröße | Teileinspeisung (mit Eigenverbrauch) | Volleinspeisung (ohne Eigenverbrauch) |
|---|---|---|
| bis 10 kWp | 7,78 ct/kWh | 12,34 ct/kWh |
| 10–40 kWp | 6,73 ct/kWh | 10,35 ct/kWh |
| 40–100 kWp | 5,50 ct/kWh | 10,35 ct/kWh |
Berechnung bei gemischten Anlagen (z. B. 15 kWp): Erste 10 kWp à 7,78 ct, Rest à 6,73 ct → Ø ~7,43 ct/kWh (Teileinspeisung)
Förderdauer: 20 Jahre ab Inbetriebnahme | Quelle: Bundesnetzagentur
7. Wirtschaftlichkeit
| Ohne Speicher | Mit Speicher | |
|---|---|---|
| Amortisation | 9–12 Jahre | 12–16 Jahre |
| Ertragsjahre danach | 15–20 Jahre | 13–18 Jahre |
Empfohlene Anlagengröße Einfamilienhaus: 8–10 kWp
8. Förderung (Bundesebene)
| Programm | Art | Für was |
|---|---|---|
| EEG-Einspeisevergütung | Vergütung pro kWh | Einspeisung ins Netz (bis 100 kWp) — siehe Tabelle oben |
| KfW 270 (Erneuerbare Energien – Standard) | zinsgünstiger Kredit, kein Tilgungszuschuss | PV-Anlage und/oder Stromspeicher, bis zu 100 % der Investitionskosten, Zinssatz aktuell ca. 3,5–11 % eff. Jahreszins je nach Bonität |
| 0 %-Umsatzsteuer | Steuerbefreiung | Kauf/Installation von PV-Anlage, Wechselrichter und Batteriespeicher bis 30 kWp (siehe Abschnitt 4) |
Wichtig zu Stromspeichern: Einen eigenständigen Bundeszuschuss speziell für reine Batteriespeicher gibt es 2026 nicht (auch nicht über BAFA). Speicher werden nur indirekt über die 0 %-MwSt. sowie über den KfW-270-Kredit gefördert. Regional bieten aber einzelne Kommunen und Bundesländer eigene Speicherzuschüsse an.
9. Solarpflicht nach Bundesland
Aktuell gibt es noch keine flächendeckende bundesweite Solarpflicht — die Regelung erfolgt bislang auf Länderebene. Das ändert sich ab 2027: Mit § 106 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das 2026 Bundestag und Bundesrat passiert hat, kommt eine bundesweite, gestaffelte Solarpflicht: ab 1.1.2027 für neue Nichtwohngebäude >250 m² Nutzfläche, ab 1.1.2028 für größere Bestandsgebäude bei grundlegender Dachsanierung, ab 1.1.2030 für neue Wohngebäude und angrenzende Carports. Bis dahin gelten die folgenden landesrechtlichen Regelungen. Schwellenwerte sind meist flächenbasiert (% der geeigneten Dachfläche), selten in festen kWp. Faustregel: 1 kWp ≈ 5–7 m² Modulfläche; 50 % von 100 m² Dach ≈ 7–10 kWp.
| Bundesland | Pflicht | In Kraft seit | Gilt für | Mindestleistung | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Ja | 01.05.2022 (Neubauten) / 01.01.2023 (Sanierungen) | Neubauten + Dachsanierungen (>50 % Dachhaut erneuert) | ≥60 % der geeigneten Dachfläche | LBO BW |
| Bayern | Teilweise — echte Pflicht nur für Gewerbe/Nichtwohngebäude; für Wohngebäude nur unverbindliche Soll-Vorschrift (kein Bußgeld) | 01.07.2023 (Gewerbe, echte Pflicht) / 01.01.2025 (Wohngebäude, Soll-Vorschrift) | Neubauten ab 50 m² + vollständige Dacherneuerung | ≥1/3 der geeigneten Dachfläche (Soll bei Wohngebäuden) | BayBO Art. 44a |
| Berlin | Ja | 01.01.2023 | Neubauten ab 50 m² + Dachsanierungen | ≥30 % der Bruttodachfläche (Neubau) bzw. Nettodachfläche (Sanierung); alternativ gestaffelte Mindestleistung je Wohneinheiten (2 kW bis 2 WE, 3 kW bis 5 WE, 6 kW bis 10 WE) | SolG Bln |
| Bremen | Ja | 01.07.2024 (Sanierungen) / 01.07.2025 (Neubauten) | Neubauten ab 50 m² + grundlegende Sanierungen | ≥50 % der Bruttodachfläche (min. 1 kWp) | BremSolarG |
| Niedersachsen | Ja | 01.01.2025 | Neubauten ab 50 m² + neue Dachhaut | ≥50 % der (erneuerten) Dachfläche | § 32a NBauO |
| Nordrhein-Westfalen | Ja | 01.01.2025 (Neubauten) / 01.01.2026 (Sanierungen) | Neubauten + vollständige Dachhauterneuerung | ≥30 % der Dachfläche / Pauschal: 3–8 kWp (Gebäude bis 10 WE) | BauO NRW |
| Schleswig-Holstein | Ja | 29.03.2025 (Übergangsfrist für laufende Bauanträge bis 29.03.2026) | Neubauten (Wohn- und Nichtwohngebäude); bei Nichtwohngebäuden auch Dachsanierung >10 % der Dachfläche | ≥25 % der geeigneten Dachfläche | EWKG § 26 |
| Hessen | Nein (für private Wohngebäude) — Pflicht besteht nur für landeseigene Gebäude (seit 16.11.2022) und neue Parkplätze >50 Stellplätze | — | landeseigene Neubauten/Sanierungen, große Parkplätze | — | HEG |
| Hamburg | Nein | — | — | — | — |
| Rheinland-Pfalz | Nein | — | — | — | — |
| Brandenburg | Nein | — | — | — | — |
| Mecklenburg-Vorpommern | Nein | — | — | — | — |
| Sachsen | Nein | — | — | — | — |
| Sachsen-Anhalt | Nein | — | — | — | — |
| Thüringen | Nein | — | — | — | — |
| Saarland | Nein | — | — | — | — |
Ausnahmen (bundesländerübergreifend): Denkmalschutz, Nordausrichtung, Verschattung, Dach <50 m², technisch/wirtschaftlich nicht möglich. Bußgelder bei Nichteinhaltung: bis zu 50.000 € (NRW), Nachrüstfrist meist 1–2 Jahre — gilt jeweils nur für Bundesländer mit echter (nicht bloß Soll-)Pflicht. Hinweis: Hamburg und Rheinland-Pfalz haben entgegen früherer Berichte keine aktive Solarpflicht (Stand 05/2026).